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09.06.2016, 11:54 Uhr
„Richtig-.Wichtig .Lebenswichtig“
 Unter diesem Motto stand der Tag der Organspende am 4.Juni 2016. Die zentrale Veranstaltung fand in diesem Jahr in München statt.

Die FrauenUnion(FU) und der ev.Arbeitskreis (EAK) des CDU-Kreisverbandes Böblingen hatten den Tag der Organspende zum Anlass genommen, selbst eine Veranstaltung „Organspende – Organspenderausweis – was bedeutet Hirntod ?“ zu organisieren.

 „Richtig-.Wichtig .Lebenswichtig“

 

Unter diesem Motto stand der Tag der Organspende am 4.Juni 2016. Die zentrale Veranstaltung fand in diesem Jahr in München statt.

Die FrauenUnion(FU) und der ev.Arbeitskreis (EAK) des CDU-Kreisverbandes Böblingen hatten den Tag der Organspende zum Anlass genommen, selbst eine Veranstaltung „Organspende – Organspenderausweis – was bedeutet Hirntod ?“ zu organisieren.

Viele Interessierte waren am 3.Juni der Einladung ins Krankenhaus in Böblingen gefolgt.Hatten die Veranstalter doch hochkarätige Referentinnen gewinnen können, die das Thema von der kirchlichen, medizinischen und politischen Seite beleuchteten.

 

Frau Dr. Christina Schleicher, geschäftsführende Ärztin der Deutschen Stiftung Organtransplantationen (DSO) führte in das Thema ein. Anhand eines Schaubildes erläuterte sie die Aufgaben des DSO und verwies darauf, dass es immer noch eine lange Liste von wartenden Patienten gäbe. Es gibt jede Menge Informationsmaterial, ein Infotelefon zum Thema Organspende. Sie erläuterte die Auflagen, die erfüllt werden müssen, damit ein Organ entnommen werden darf. Auch die Feststellung des Hirntodes wurde den Anwesenden näher gebracht. Wichtig war ihr, dass man zu Lebzeiten mit den Angehörigen über seinen persönlichen Willen spricht. Ein Organspenderausweis dokumentiert den Willen. Hier kann man auch angeben, dass keine Entnahme erfolgen soll. Dies ist oft nicht bekannt. Angehörige und Klinik erhalten dadurch eine klaren Auftrag von dem Sterbenden. Hat sich der Sterbende nicht geäußert, können dies die Angehörigen in seinem Sinne tun. Sie können die Entscheidung in einem bestimmten Zeitraum bei den zuständigen Ärzten aber auch noch widerrufen. Druch gespräche der Transplantationsbeauftragten und Ärzte im Krankenhaus soll eine stabile Entscheidung erzielt werden. Ein Überreden darf es nicht geben !

Frau Uta Engelmann, Akademiedirektorin der ev.Akademie Baden, sprach den Akt der Nächstenliebe an. Es gäbe für beide Entscheidunegn pro / contra organspende gute Gründe. Seelsorger wären hier unterstützend tätig. Sie verwies darauf, dass die kath.Kirche erst kürzlich zum thema „Hirntod“ nochmals Stellung bezogen habe. Die ev. Kirch sei hier nicht mit eingebudne gewesen. Frau Engelmann warf die frage auf: „Was ist am Lebensende ? Wie will ich mit den Möglichkeiten der Medizin umgehen ?“ Frau Engelmann beleuchtete den hinrtod auch unter biologischer und spiritueller Sicht. Man müsse die Beziehungen zwischen sich selbst, dem Nächsten und Gott prüfen und dann für sich eine Entscheidung treffen.

Frau Dr. Monika Stolz, Sozialministerin a.D. und Ärztin, bekannte sich als katholische Christin. Das Amt als Ministerin/Abgeordnete und der Beruf Ärztin könne man nicht trennen bei solch einem Thema. Sie verwies auf den gesetzlichen Rahmen, der bei einer Organspende zu berücksichtigen sei. Durch den Skandal vor einiger Zeit seien die Gesetze entsprechend angepasst worden. Es gibt verpflichtend einen Transplantationsbeauftragten und 2 Ärzte müssen unabhängig voneinander den Hirntod feststellen.Deutschland habe die restriktivsten Bedingungen in der Welt. Ein Organ sei nicht käuflich sondern nur über eine Organspende zu erhalten. Und: Ohne Zustimmung des Sterbenden oder der Angehörigen sei keine Organentnahme möglich. In anderen europäischen Ländern sei die so nicht geregelt. Obwohl viele in der Bevölkerung zu einer Organspende bereit wären, würden trotzdem nur wenige einen Ausweis mit sich führen. Es sei halt wohl unangenehm, sich mit dem eigenen Sterben auseinanderzusetzen.

Frau Dr. Anja Pauli, die Transplantationsbeauftragte im KH Böblingen, erläuterte die fachlichen Voraussetzungen, die vorhanden sein müssen, um diese Aufgabe wahrzunehmen. Sie erläuterte auch den Konflikt, den man in sich trage, wenn man mit den Angehörigen über dieses Thema sprechen müsse, wenn sich der betroffene nicht mehr selbst äußern kann. Wann ist hier der richtige Zeitpunkt ? Signalisiert man damit nicht den Angehörigen, dass die Medizin den Schwerkranken aufgegeben hat ? Frau Dr.Pauli machte aber auch klar, dass man weder Patient noch Angehörige überreden dürfe, auch wenn eine riesige Warteliste für bestimmte Organe vorhanden ist.

 

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Punkte abzuwägen sind. Die Definition Hirntod wurde hinterfragt. Liegt es nur an den Menschen, dass es zu wenige Organspenderausweise gibt oder sind hier die Verbindungen zwischen Krankenhaus und DSO nicht immer optimal ? Wie kann man noch auf die Bevölkerung zugehen, und sie dazu bringen, einen Organspenderausweis mitzuführen ?

Sicherlich konnten an diesem Abend nicht alle Fragen und Bedenken abschließend geklärt werden. Aber viele gingen mit zusätzlichen Informationen nach Hause. Eine Entscheidung fällt nun vielleicht etwas leichter. Dazu beitragen hat eventuell auch der Beitrag eines Anwesenden, der selbst ein Organ erhalten hat. „Wenn ich kein passendes Organ erhalten hätte, wäre ich mit Anfang 60 verstorben. Mein Körper hat das fremde Organ angenommen und ich lebe nun seit über 8 Jahren gut damit“. Und er verwies auch darauf, dass der Tag der Organspende eigentlich ein Dank an alle Organspender und Angehörige sein soll. Mehr über die Organspende findet man unter:

 

Elke Staubach und Monika Reichardt